Ein Traum gebärt vergangene Tage

Der kleine Jimmi amüsiert mich. Um uns herum ist es dunkel und welk. Er versteht es schneller auf seinen Händen zu laufen als der olle Grimbol es mit seinem Krückstock schafft. Ich tauche ein, erinnere mich an Verdrängtes - der Schlaf lässt erwachen, was lange in mir brodelte...

Jimmi ist vom Glück geküsst. Ich kenne niemanden, der die Detonation einer T387 überlebt hätte. Man findet keine Reste, nur noch eine blutige Lache, die langsam in einer roten Fütze in den Sprengtrichter zusammenläuft. Sie hatte genug Wucht, um Jimmi wieder aus dem Mienenfeld zu schleudern - musste verfrüht losgegangen sein, als er noch nicht auf ihr stand -

Da lag er... blutend. Die Beine zerfetzt. An ihre Stelle waren zwei Stummel getreten, aus denen der rote Saft des Lebens entwich. Grimbol schaffte es vor mir bei Jimmi zu sein - die Wächter ließ dies alles kalt. Einer mehr oder weniger wirkte sich nicht auf den Ertrag aus, denn wir waren viele. -

Der kleine Jimmi... Er war nichtmal 13 Jahre, als sie ihn zu seinem Aufenthalt auf dieser Strafkolonie verurteilten. Ein junges Kind, kein Mann. Er biss dem Praefekt ein Ohr ab, als dieser begann seine Schwester auf den Markt unsittlich zu berühren. Grund genug ein Kind zum Tot zu verdammen - Ein Tot auf Raten, nichts anderes war das hier. -

Jimmi schaffte es, dass sich die Männer aufwiegelten. Seine blutenden Stummel hatten mehr Macht als Worte in dieser Zeit. Medizin sollte es hier nur für die Wächter geben, sie hatten die Absicht ihn verbluten zu lassen. Das war jener Tag, an dem die Strafkolonie im Omikron fallen sollte. Wir metzelten sie nieder... Sie gaben uns nichts weiter als diese antiquierten Werkzeuge. Sie waren in steter Angst, dass wir uns aus besserem Werkzeug Waffen fertigen könnten. Ich genoss die Qual, die eine Pickaxt einem Aufpasser bereitete, als sie mit voller Wucht in seinen Schädel drang. Er war nicht tot, er stürzte nur. Sein linkes Auge sprang durch den Druck aus seinem Schädel. Blut schoss aus seinem Mund, als Grimbol mit seiner Krücke auf seinen Brustkorb einschlug. Er röchelte - ich nahm sein Gewehr, seine Munition und seine Granaten... blickte entgleist zu Grimbol. Er holte gerade zum nächsten Schlag aus, als heißes Plasma ein Loch in seinen Bauch fraß.
Die nächsten Minuten liefen wie ein Film an mir vorbei. Mein Körper erinnerte sich an die Schlachten, die ich selbst für das Imperium geschlagen hatte, wusste wieder wie man überlebt. Der Wächter, der Grimbol erschossen hatte, leistete nur wenig Widerstand - er wusste nicht wie ihm geschah, als ich erst eine der Blendgranatan auf ihn warf, um im nächsten Moment das Schulterstück immer und immerwieder auf seinen Schädel zu schlagen bis sein Gesicht nicht mehr zu erkennen war.
Mein Pulsschlag rannte, wir stürmten mit Brutalität und großen Verlusten die Hangars und flohen von diesem Fels im Wissen, dass im Orbit des Planetens noch ettliche Verteidigungsanlagen auf uns Warten sollten. Der Tot folgte uns. Wir waren viele. Wir gaben alles auf Schild und Antrieb, sahen wie die Türme kurzen Prozess aus den Fähren unserer Brüder machten und schafften es letztlich.

Von ungefähr 30 gestarteten Fähren konnten 4 durchbrechen. Wir wussten nicht wohin wir fliegen sollten, wir waren ohne Proviant und ohne Ziel...

Kalter Schweiß lässt mich erwachen. Jemand betritt den Raum. Geräusche verraten, was die Silhouette nicht Preis gibt. Es ist Jimmi. Aufrecht steht er vor meinem Bett - Die Cyberimplantate, die an Stelle seiner Beine traten, waren ebenso minderwertig wie laut. Er wollte keine leiseren - Dies hielt die Erinnerung in ihm wach: "Wir erreichen die Strafkolonie in 3 Stunden. Die Aufklärungsberichte liegen jetzt vor". Ich nicke, trockne das Gesicht am Ärmel und verlasse mein Quartier...
Earth Lost Fanprojekt